Institut für Diakoniewissenschaft und DiakonieManagement • Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel

Bethelweg 8 • 33617 Bielefeld • Tel. 0521 144-3948 • E-Mail: mail@diakoniewissenschaft-idm.de

Aktuelle Forschungsprojekte Prof. Dr. Thorsten Moos

Religion in neuen Stadtquartieren

Seit der Entstehung von Städten nehmen Religionen in ihnen einen wichtigen Raum ein. Auch heute beeinflussen Religionsgemeinschaften das Leben der Stadtbewohner – wie umgekehrt das städtische Leben vielfältig religionsproduktiv wirkt. Religiöses Leben in der Stadt wandelt sich permanent. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn ein neuer Stadtteil entsteht und Religionen in ihm Raum greifen. In der Wechselwirkung zwischen Räumen, Akteuren und Institutionen, in Engagement, Planung und Zufällen entsteht eine neue religiöse Landschaft. Dieser Prozess wird in der Studie empirisch und praxisorientiert untersucht. Hierfür werden Methoden der Religionsethnologie im Verbund mit anderen Instrumenten qualitativer Sozialforschung eingesetzt, um eine dichte Beschreibung religiöser Wirklichkeit im städtischen Umfeld zu gewährleisten. Dabei gilt es, zunächst die jeweils eigene, in dieser Stadt und diesem Quartier spezifische Situation eingehend zu beschreiben und anschließend Vergleiche zu ziehen. Um diese Vergleiche ergiebig zu machen, finden Stadtquartiere mit ganz unterschiedlichen lokalen Spezifika und in unterschiedlichen Entwicklungsständen Berücksichtigung (derzeit 13 Quartiere in Berlin, Hamburg, Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe und München).

 

Ziele

  • Empirische Beschreibung und Analyse der Wechselbeziehung zwischen Religionen und ihrem städtischem Umfeld
  • Entwicklung von Handlungsempfehlungen für kirchliche Akteure

Verantwortlich

  • Prof. Dr. Thorsten Moos, Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel
  • Prof. Dr. Christopher Zarnow, Evangelische Hochschule Berlin
  • Dr. Juliane Kanitz, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Heidelberg

Kooperationspartner

  • Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Heidelberg
  • Arbeitsstelle „Theologie der Stadt“, Berlin
  • Evangelische Hochschule, Berlin

Arbeitsformen

  • Feldforschung (Interviews, teilnehmende Beobachtung etc.)
  • Durchführung von Workshops mit Expertinnen und Experten
  • Erstellung von Handlungsempfehlungen

Fördergeber

Das Projekt wird gefördert von Landeskirchen, Kirchenkreisen, Gemeinden sowie öffentlichen und privaten Zuschussgebern.

 

Altern als Selbstverwirklichung. Freiheiten und Zwänge später Lebensphasen im Schnittfeld von Neurowissenschaften, Vorsorge-, Bildungs- und Altersdiskurs (DFG-Netzwerk)

Das Ideal der Selbstverwirklichung zählt zu den Leitorientierungen individueller Lebensführung in westlichen Gesellschaften. Angesichts der Demographie ‚alternder‘ Gesellschaften gewinnt zunehmend auch die Frage nach den Mitteln und Formen der Selbstverwirklichung in den späten Lebensphasen an sozialer Bedeutung. Alter soll nicht nur hingenommen, sondern auch gestaltet werden – hier zeigen sich neue Freiheiten wie neue Zwänge und potentielle Überforderungen.

In jüngerer Zeit tritt auch das mentale Vermögen alter Menschen in den Horizont der Selbstverwirklichungsaufgabe. Die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse über das plastische, mithin entwicklungs- und kompensationsfähige Gehirn werden in Präventionsempfehlungen und Interventionsangebote („Gehirn-Jogging“) umgesetzt. Der Imperativ der Selbstverwirklichung im Alter erweitert sich um die Forderung nach der aktiven Sorge für das eigene mentale Vermögen und deren neurobiologische Grundlage. In der Wechselbeziehung gesellschaftlicher Produktivitäts- und Selbstverwirklichungserwartungen mit den Popularisierungen wissenschaftlicher Diskurse über Krankheitsprävention, ‚lebenslanges Lernen‘, ‚erfolgreiches Altern‘ und die Plastizität des Gehirns verändern sich die sozial wirksamen Konzepte der Altersindividualität und ihrer Gestaltungsräume.

Das Netzwerk nimmt die Veränderungen der ‚Alternsaufgabe‘  durch die genannten Diskurse interdisziplinär in den Blick. Der individualisierungstheoretische Rahmen erlaubt, verschiedene Stränge naturwissenschaftlich-medizinischer sowie sozial- und kulturwissenschaftlicher Alternsforschung in innovativer Weise aufeinander zu beziehen und den Einfluss wissenschaftlicher Altersdiskurse und ihrer Popularisierungen auf die Lebenswelt alternder Menschen selbst zu reflektieren.

Die letzte Sitzung des Forschungsnetzwerkes ist erweitert zu einer großen öffentlichen Tagung: Altern als Aufgabe, 7.-9. März 2018, Heidelberg.

Kooperationspartner

  • Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Heidelberg

Fördergeber

Das Projekt wird gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

 

Abgeschlossene Forschungsprojekte (Auswahl)

Diakonische Kultur. Begriff, Forschungsperspektiven, Praxis

Die Diakonie ist eines der wichtigsten Handlungsfelder der Kirche. Die Zahl der Beschäftigten wie das Finanzvolumen übersteigen die der verfassten Kirchen bei weitem. Auch von Nichtkirchenmitgliedern wird ihr hohes Vertrauen entgegengebracht. Nun erfährt das organisierte Helfen im Raum der Kirchen starke Veränderungen. Die Entwicklung des Marktes für soziale Dienstleistungen, Prozesse der Konzentration und Standardisierung sowie gesellschaftliche Veränderungen fordern diakonische Träger heraus. Zudem ist es in einer säkularen Gesellschaft nicht selbstverständlich, dass soziale Dienstleistungen auch im Raum der Kirchen organisiert werden. Was macht das „Diakonische“ etwa in einem Krankenhaus der Diakonie aus, und wie verhält sich dieses zur medizinischen und ökonomischen Logik des Krankenhausbetriebs?

Der differenzierten Wahrnehmung der Rolle von Religion im organisierten Helfen war die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Diakonische Kultur“ gewidmet, die von 2011 bis 2016 an der FEST bestand. Ihre Aufgabe war es, im Gespräch zwischen Kulturwissenschaften, Ökonomie, Sozialwissenschaften, Theologie und weiteren Disziplinen den Begriff der diakonischen Kultur auf seine wissenschaftliche Belastbarkeit zu prüfen. Lässt sich die Präsenz des Religiösen im organisierten Helfen mit dem – theoretisch voraussetzungsreichen und problematischen – Begriff der Kultur beschreiben?

Publikationen

  • Moos, Thorsten (Hg.) (im Erscheinen): Diakonische Kultur. Begriff, Forschungsperspektiven, Praxis, Stuttgart.
  • Moos, Thorsten (2016): Art. „Kultur, Diakonische“, in: Friedrich, Norbert et al. (Hg.): Diakonie-Lexikon, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener, 261f.
  • Heinig, Hans Michael/ Moos, Thorsten (2013): „,Dienstgemeinschaft‘: Ein Begriff auf dem Prüfstand. Einführung in die Thematik“, in: Dienstgemeinschaft: Ein Begriff auf dem Prüfstand. Beiträge zum Fachgespräch der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft und dem Kirchenrechtlichen Institut der EKD, 18./19.1.2013. (epd-Dokumentation Nr. 17), 4–5.
  • Moos, Thorsten (2013): „Dienstgemeinschaft als theologischer Begriff – Ein Kommentar in acht Thesen“, in: epd-Dokumentation 17, 40–43.
  • Moos, Thorsten (2013): „Kirche bei Bedarf. Zum Verhältnis von Diakonie und Kirche aus theologischer Sicht“, in: Zeitschrift für evangelisches Kirchenrecht 58, 253-279.

 

Klinikseelsorge und Ethik

Zunehmend setzen sich Klinikseelsorgende in Einzelgesprächen, im Ethikkonsil und Ethikkomitee mit medizinethischen Fragen auseinander. So belasten Therapieentscheidungen – wie beispielsweise die Frage, ob eine Person künstlich ernährt werden soll oder nicht – das Gewissen von Patientinnen und Patienten, Angehörigen, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen. Seelsorgende werden in diesen Situationen zum einen mit der Erwartung konfrontiert, die Menschen mitfühlend und unterstützend zu begleitend. Zum anderen gelten sie als Expertinnen und Experten für das Normative und brauchen hierfür ethische Kompetenz.

In diesem Zusammenhang verfolgte die Studie zwei Ziele. Erstens nahm sie aus interdisziplinärer Perspektive heraus eine empirische Beschreibung und Analyse der unten genannten folgender Leitfragen vor. Zweitens wurden auf Grundlage der empirischen Forschung ein Konzept sowie Materialien für die Seelsorgeausbildung erarbeitet, mit deren Hilfe ethische Kompetenz vermittelt wird.

Fragestellungen

  • Wie sind Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Klinik mit Ethik konfrontiert?
  • Wie gehen sie mit ethischen Problemen um
  • Welche Spannungen treten dabei auf?
  • Welche ethische Kompetenz brauchen Seelsorgende im Berufsleben?

Verantwortlich

  • Thorsten Moos
  • Simone Ehm, Evangelische Akademie Berlin
  • Dr. Fabian Kliesch, Universität Heidelberg
  • Dr. Julia Thiesbonenkamp-Maag, FEST

Kooperation

Kooperation mit Ausbildungsstätten (Seelsorgeseminar Halle); Evangelische Akademie zu Berlin.

Arbeitsformen

  • Explorative Interviews mit Seelsorgenden
  • Feldforschung zur Seelsorge in Kliniken (ethnologisch und theologisch)
  • Workshops mit Expertinnen und Experten
  • Erstellung und Erprobung von Modulen für die Klinische Seelsorgeausbildung (KSA)

Fördergeber

Das Projekt wurde ermöglicht durch eine Förderung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Publikationen

  • Moos, Thorsten/ Ehm, Simone/ Kliesch, Fabian/ Thiesbonenkamp-Maag, Julia (2016): Ethik in der Klinikseelsorge. Empirie, Theologie, Ausbildung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
  • Ehm, Simone/ Kliesch, Fabian/ Moos, Thorsten (2016): "Infrastrukturen von Entscheidungskontexten - Beobachtungen zu Techniken und Kompetenzen der Klinikseelsorge in ethischen Entscheidungsprozessen", in: Rauprich, Oliver/ Jox, Ralf J./ Marckmann, Georg (Hg.): Vom Konflikt zur Lösung. Ethische Entscheidungswege in der Biomedizin. Münster: mentis, 255-267.
  • Moos, Thorsten (2016): Eine verlorene Kategorie? Zum Umgang mit moralischer Schuld in der Klinikseelsorge, in: Praktische Theologie 51 (4), 214-220.
  • Moos, Thorsten (2016): Rezension Hille Haker, Gwendolin Wanderer, Katrin Bentele (Hg.): Religiöser Pluralismus in der Klinikseelsorge. Theoretische Grundlagen, interreligiöse Perspektiven, Praxisreflexionen (Medizinethik in der Klinikseelsorge, Bd. 4), Berlin: LIT 2014, in: Zeitschrift für Evangelische Ethik 60 (2), 139-140.
  • Moos, Thorsten (2016): "Wollen machen. Die Rolle von Klinikseelsorgenden in Praktiken des Willens", in: Moos, Thorsten/ Rehmann-Sutter, Christoph/ Schües, Christina (Hg.): Randzonen des Willens. Anthropologische und ethische Probleme von Entscheidungen in Grenzsituationen. Frankfurt/M.: Lang, 189-214. Open access
  • Moos, Thorsten (2015): "Ethik als Herausforderung der Klinikseelsorge. Ergebnisse einer neuen empirischen Studie", in: Wege zum Menschen. Zeitschrift für Seelsorge und Beratung, heilendes und soziales Handeln 67 (6), 605-616.
  • Moos, Thorsten (2014): „Ethik und Seelsorge. Erkundungen an den Bruchlinien des theologischen Fächerkanons. Festvortrag zum Dies Academicus“, in: Förderverein der theologischen Fakultät (Hg.), Jahresheft der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg 9 (2013/14), 23–37.

 

Randzonen des Willens. Entscheidung und Einwilligung in Grenzsituationen der Medizin: Anthropologie, Psychologie, Recht und Ethik

Die Geschichte des Willens in der Medizin ist eine Erfolgsgeschichte. Der Patientenwille hat in Abwehr eines ärztlichen Paternalismus immer stärker Berücksichtigung gefunden und ist sowohl in der ärztlichen Ethik wie auch gesetzlich fixiert. Die Autonomie eines Patienten zu respektieren heißt primär, seinen Willen in der Entscheidung über eine medizinische Maßnahme zu berücksichtigen. Diese Konjunktur des Willens ist ambivalent: Einerseits ist die Kategorie des Willens so erfolgreich, dass sie in zunehmendem Maße auch bei Personen Anwendung findet, die bisher als Nichteinwilligungsfähige allein Objekt der Entscheidung anderer waren (so etwa Kinder sowie demenziell und psychisch Erkrankte). Andererseits droht das Konzept des Willens angesichts der zunehmenden Komplexität medizinischer Zusammenhänge und diesbezüglicher schwieriger Entscheidungen selbst bei „mündigen“ Patientinnen und Patienten überlastet zu werden (etwa in der informierten Einwilligung bei klinischen Studien).

Fragestellungen

  • Welche Lasten der Begründung und Legitimation von Entscheidungen können, gerade in Grenzsituationen, dem Willen der Patienten und Probanden auferlegt werden?
  • Wie ist mit dem Willen in medizinischen Grenzsituationen umzugehen, und was lässt sich aus diesen Randzonen des Willens über die Anthropologie des Willens insgesamt lernen?

Arbeitsformen

  • Tagung „Randzonen des Willens“ (2.–5.4.2014 in Hannover)
  • Publikation

Fördergeber

Das Projekt wurde gefördert durch die VolkswagenStiftung.

Kooperationspartner

  • Prof. Dr. Christina Schües, Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Universität Lübeck
  • Prof. Dr. Christoph Rehmann-Sutter, Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Universität Lübeck

Publikationen

  • Moos, Thorsten/Rehmann-Sutter, Christoph/Schües, Christina (Hg.) (2016): Randzonen des Willens. Anthropologische und ethische Probleme von Entscheidungen in Grenzsituationen, Reihe „Praktische Philosophie kontrovers„, Bd. 6, Frankfurt am Main: Peter Lang. Open access.
  • Moos, Thorsten (2015): „Nicht ohne seinen Willen. Theologisch-ethische Überlegungen zur Gewebespende eines Geschwisterkindes“, in: Schües, Christina/ Rehmann-Sutter, Christoph (Hg.), Rettende Geschwister. Ethische Aspekte der Einwilligung in der pädiatrischen Stammzelltransplantation, Paderborn 2015, 189–213.

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